Der Theaterbetrieb läuft wieder an. Allerdings wegen der geltenden Abstands- und Hygieneregeln mit reduziertem Sitzplatzkontingent. Für kleinere Theater ist die geringe Auslastung wenig rentabel. Zuschauerkabinen können eine Lösung sein und bieten zugleich Raum für künstlerische Ideen.

Zuschauerkabinen bieten in Verbindung mit einer leistungsstarken Lüftungsanlage Schutz vor Ansteckungen in beengten Räumlichkeiten. Gerade kleinere Theater wie das Akademietheater Ulm können mit den Kabinen aus Acryl- beziehungsweise Plexiglas die Platzanzahl lohnend erhöhen. Für das Theater Eurodistrict Baden Alsace (BAAL) ist – neben den zusätzlichen Sitzplätzen – der künstlerische Mehrwert durch die Variabilität der Zuschauerkabinen und deren Einbindung in die Inszenierung von großer Bedeutung.

Akademietheater Ulm

Das 1994 von Ralf Rainer Reimann gegründete Akademietheater Ulm ist eine der ältesten Kultureinrichtungen der freien Szene in der schwäbischen Universitätsstadt. Der programmatische Schwerpunkt liegt bei zeitgenössischen Erst- und Uraufführungen sowie Klassikern, Eigenproduktionen und experimentellen Stücken. Die BlackBOX ist die Aufführungsstätte des Theaters. Sie ist seit 2019 in der Ulmer Zinglerstraße beheimatet und bietet regulär Platz für 75 Gäste.

Sicheres Theatererlebnis für mehr Publikum

Intendant Reimann und Geschäftsführerin Lisa Dietrich standen vor der Herausforderung, möglichst vielen Zuschauer*innen den Zutritt zum Theater zu gewähren und gleichzeitig die Hygienevorschriften einzuhalten. Ihre Lösung besteht aus 38 Acrylglaszuschnitten und 70 Metallverbindern: Daraus können Kabinen für bis zu 35 Zuschauer*innen eingerichtet werden.

Die Idee zu den Zuschauerkabinen entstand durch einen Beitrag des Kulturmagazins ttt – titel, thesen, temperamente. Darin wird ein Hamburger Gastronom vorgestellt, der seine Gäste in kleinen Gewächshäusern coronakonform bedient. Die einfachen Tomatenhäuser aus dem Baumarkt erwiesen sich für das Theater allerdings aufgrund der Sichtbeeinträchtigung als wenig praktikabel. Gemeinsam mit dem Bühnenbildner Günther Brendel entwickelten Reimann und Dietrich die Idee, aus transparenten Acrylglasscheiben und einfachen Plattenverbindern Kabinen zu bauen. Ihnen war es vor allem wichtig, dass die Kabinen flexibel und jederzeit schnell auf- und abbaubar sind.

Flexibilität zum Selberbauen

Durch das Baukastenprinzip sind die Kabinen äußerst flexibel. Mit dem Stecksystem können nicht nur Einzelplätze, sondern auch Plätze für bis zu vier Personen geschaffen werden. Zudem lässt sich auch die Raumbühne mit den variablen Scheiben vom Publikumsbereich abtrennen. Aktuell proben die Theatermacher*innen zwar nur für Open-Air-Vorstellungen, doch in absehbarer Zeit geht es auch wieder in die blackBOX. Dann kommen die Zuschauerkabinen zum Einsatz.

Theater Eurodistrict Baden Alsace

Das 2005 gegründete Theater Eurodistrict Baden Alsace mit Sitz in Offenburg und Straßburg ist das einzige binationale Theater Europas. Es ist konzipiert als eine offene deutsch-französische kulturelle Begegnungsstätte. Das Theater BAAL bringt jährlich sechs Produktionen für Kinder und Erwachsene heraus, die an 150 Vorstellungen im Jahr in Deutschland und Frankreich gespielt werden. Im Herbst 2019 eröffnete das Ensemble eine eigene Spielstätte in der Gemeinde Neuried an der Grenze zu Frankreich. Das Amphitheater im Europäischen Forum am Rhein umfasst 150 Sitzplätze.

Rollende Liveboxen

Im Theater BAAL entwickelten Intendant Edzard Schoppmann und sein Team ein einzigartiges Konzept zum Einsatz von Zuschauerkabinen aus Acrylglas: Die von Schoppmann entworfenen rollenden Liveboxen umschließen die Zuschauer*innen an allen vier Seiten und sind im Raum beweglich. Die Zuschauer*innen sitzen – unter Einhaltung der coronabedingten Hygienemaßnahmen – einzeln in den jeweiligen Kabinen. Von dort aus verfolgen sie die Aufführung und können selbst Teil davon werden. Schoppmann rechnet damit, dass mit den Boxen 15 bis 20 Plätze im Vergleich zur regulären Tribünenbestuhlung, bei der das Abstandsgebot umgesetzt werden muss, hinzugewonnen werden können.

Neue Darstellungsformate

An der Fronttür der Zuschauerkabinen sind Griffe. So können die Schauspieler*innen die Kabinen durch den Raum ziehen und die Zuschauer*innen unmittelbar in das Bühnengeschehen integrieren. Die Boxen bieten damit vielmehr als nur eine Abtrennung zwischen Bühnen- und Zuschauerbereich: die Chance zu neuen Darstellungsformaten. Schoppmann verfolgt den Ansatz, die Einschränkungen „in Kunst zu verwandeln, und so Distanzgebote, Kunstästhetik, Form und Inhalt synergetisch miteinander zu infizieren.“

Die Zuschauer*innen erleben in den Boxen das Bühnengeschehen unmittelbar. Die Grenzen zwischen Zuschauer*innen und Performer verschwinden. Distanz, Nähe, Isolation, Anpassungsfähigkeit – alle diese in der Pandemie spürbaren Themen können so künstlerisch aus neuen Blickwinkeln bearbeitet werden. Dieses zugleich bildnerische und performative Format bietet laut Schoppmann ungemeine künstlerische Chancen: „Wer ist Spieler? Wer Zuschauer? Jeder. Es entstehen so neue Blickwinkel, neue Betrachtungsweisen, neue Visionen. Kunst erfindet sich, befreit sich aus der Umklammerung der Pandemie.“

Out of the Box

Bereits im November 2020 hatten die Boxen als Teil des Projektes „Out of the Box“, einem theatralischen Online-Adventskalender, ihren ersten Auftritt: An jedem Tag im Advent traf in einer kurzen szenischen Darbietung ein prägnanter Charakter aus dem BAAL Repertoire auf die Theatergöttin. Eine Kabine diente als Bühnenbild, mit Nebel- oder Lichteffekten künstlerisch in Szene gesetzt. Die Videos können auf Youtube angeschaut werden.

Perspektivisch sollen die Zuschauerkabinen des Theaters BAAL nach der Wiederöffnung im Rahmen einer Inszenierung von Ovids „Metamorphosen“ zum Einsatz kommen, nachdem diese im Frühjahr bereits digital aufgeführt wurde. Auf Youtube gibt es den Trailer zum Stück.

Spielerische und praktikable Lösung

Die Beispiele des Akademietheaters Ulm und des Theaters BAAL zeigen, dass Zuschauerkabinen aus Acrylglas eine flexible Schutzvorrichtung darstellen, die ein spielerischer Teil eines Hygienekonzepts sein können. Gerade kleinere Spielstätten können so Abstandregeln auch bei begrenztem Raum umzusetzen und mehr Publikum zulassen. Dem Publikum ermöglichen sie ein geschütztes Theatererlebnis und neue ästhetische Erfahrungen.


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Das Zimmertheater hat seit dem 16. März 2021 im Rahmen des Tübinger Modellprojektes wieder für Publikum geöffnet. Voraussetzung für die Öffnung ist ein Hygienekonzept, das mithilfe des NEUSTART Sofortprogramms realisiert werden konnte. Im Interview sprechen die Intendanten über strahlende Gesichter bei der Wiedereröffnung und fordern Spielräume für den „Kultursommer“.

NEUSTART: Seit dem 16. März 2021 hat Ihr Theater im Rahmen des Tübinger Modellprojekts nach monatelanger Schließung wieder geöffnet. Wie haben Sie von dieser Entscheidung erfahren?

Ripberger: Die Öffnungsmöglichkeit für unser Theater kam unverhofft. Wir waren zwar zum Ende der Vorwoche „vorgewarnt“ worden, dass ein entsprechender Antrag der Stadt Tübingen beim Ministerium gestellt sei; zu den Erfolgsaussichten konnte es aber naturgemäß keine verbindlichen Aussagen geben.

NEUSTART: Die Entscheidung traf Sie also aus heiterem Himmel?

Ripberger: Niemand war ja Mitte März so kühn-optimistisch, etwas Derartiges zu erwarten. Seit Januar hatte sich doch allgemein die Prognose durchgesetzt: Vor Ostern gebe es ohnehin keine Auferstehung der Kultur. Letztlich war es der 15. März um 17 Uhr, als die Genehmigung des Modellprojekts offiziell vorlag. Um 16:30 Uhr trafen wir Oberbürgermeister Boris Palmer noch zufällig vor dem Buchladen, der zwar positive Signale, aber noch nichts Verbindliches in der Hand hatte. 24 Stunden vor der dann vollzogenen Öffnung.

NEUSTART: Und dann der große Tag: Wie haben Sie die Wiedereröffnung erlebt?

Ripberger: Die Öffnung am Folgetag war ein euphorisches Ereignis mit strahlenden Gesichtern bei den Kolleg*innen. Wir hatten das freudvolle Gefühl schon beinahe ein wenig verlernt, wie es ist, echte Menschen im Theater willkommen zu heißen. Es fühlt sich wunderbar an, ähnlich dem Zauber eines ersten geglückten Theatererlebnisses.

NEUSTART: Und was sagen Ihre Gäste?

Ripberger: Die Gäste sind glücklich und begeistert. Wir haben eine enorme Sehnsucht und Dankbarkeit gespürt. Das hat sich in spontanen Überwältigungsmomenten geäußert, tosendem Applaus, lächelnden Gesichtern, liebevollen Rückmeldungen. Auffällig ist, dass es mucksmäuschenstill ist im Theater. Kein Bonbonrascheln, kein Räuspern. Bei uns kommt das als Wertschätzung dieser kostbaren, intimen Situation an, in die man sich gemeinsam mit den Schauspieler*innen begeben darf. Der Theaterbesuch ist dieser Tage etwas außergewöhnlich Besonderes.

NEUSTART: Wie unterscheidet sich denn ein Theaterbesuch im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit?

Ripberger: Der Besuch im Tübinger Zimmertheater im Modellversuch setzt voraus, dass man sich an einer der städtischen Teststationen ein Tübinger Tagesticket besorgt hat. Nach einem negativen Schnelltest gibt es ein Armband mit QR-Code. Diesen QR-Code zeigt man dem Vorderhauspersonal – und dann darf man rein. Die Auslastung liegt bei ca. einem Drittel der Platzkapazität von vor der Pandemie. Die Dauer der Inszenierungen haben wir bewusst nicht überstrapaziert. Trotz Schnelltest, UV-C Luftreinigung, Frischluft, Abstandsregelungen, Hygienestationen und Plexiglas gilt: die Maske bleibt die ganze Zeit auf. Das ist der wohl größte Unterschied zum Theaterbesuch vor März 2020.

NEUSTART: Zu einem Theaterbesuch gehört in Zeiten der Pandemie auch ein sicheres Hygienekonzept. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ripberger: Unser Hygienekonzept wurde im April 2020 erstellt – in engem Austausch mit verschiedenen Theatern des Deutschen Bühnenvereins, der ein best-practice Portal bereitgestellt hat, und viel Lektüre von durch Branchenverbände im gesamten deutschsprachigen Raum erstellten Konzepten. Das war und ist ein work in progress, schon um die Anpassungen der regelmäßigen berufsgenossenschaftlichen VBG-Richtlinien einfließen zu lassen. Stand heute verwenden wir Version 8 unseres Hygienekonzepts, das sich stets in der Sakkotasche befindet, falls das Ordnungsamt mal vorbeikommt. Das Hygienekonzept wurde innerstädtisch abgestimmt, mit dem Fachbereich Kultur und der zuständigen Bürgermeisterin.

NEUSTART: Für Ihr Hygienekonzept mussten Sie Raumluftfilteranlagen installieren und bauliche Veränderungen in Ihrem Theater vornehmen. Dafür haben Sie eine Förderung durch das NEUSTART Sofortprogramm erhalten. Was bedeutete für Sie die Förderung des Bundes?

Ripberger: Die Förderung durch das NEUSTART Sofortprogramm war ein wichtiger Impulsgeber und ein Signal des Bundes: Hier wird eine sinnvolle Maßnahme geplant, die nachhaltig einen sicheren Spielbetrieb ermöglicht. Die maximale Fördersumme hat nicht ausgereicht, um alle erforderlichen Maßnahmen durchzuführen, damit unsere Spielstätten Corona-gerecht ertüchtigt werden. Kommune und Land haben uns zusätzlich unterstützt, sodass im Herbst 2020 neben unseren bisherigen beiden Hauptspielstätten im Stammhaus eine moderne, sichere Spielstätte zur Verfügung stand, die auch baulich die Voraussetzung für Abstand bietet: genug Platz.

NEUSTART: Bei Ihnen sind Ihre Zuschauer*innen also bestmöglich vor einer Infektion geschützt?

Ripberger: Wir können stolz und selbstbewusst sagen, dass wir die Richtlinien tendenziell übererfüllen – das war uns auch für den Modellversuch sehr wichtig. Unsere oberste Prämisse war, keinerlei Risiko einzugehen und absolut nichts dem Zufall zu überlassen, denn das Tübinger Modellprojekt hat als Präzedenzfall bundesweit Vorbildfunktion.

NEUSTART: Dennoch halten viele Öffnungen bei steigender Inzidenz für nicht angebracht. Was entgegnen Sie den Kritikern?

Ripberger: Das Tübinger Modellprojekt leuchtet das Dunkelfeld der Pandemie aus. Die Testdichte ist nirgendwo in Deutschland höher als hier. Nur da, wo Ansteckungsrisiken aufgedeckt werden, werden sie durch rasche Reaktion handhab- und beherrschbar. Schaut man sich den Verlauf der Inzidenz in der Stadt Tübingen an, kann man zu dem Schluss kommen: das Modellprojekt funktioniert. Wir liegen Stand 20. April bei der Hälfte der Inzidenz Baden-Württembergs.

NEUSTART: Am 23. April tritt das geänderte Infektionsschutzgesetz in Kraft. Damit muss auch Ihr Theater wieder schließen. Was sagen Sie zu der neuen Situation?

Ripberger: Leider macht das Infektionsschutzgesetz keine sinnvollen Differenzierungen für den Kulturbereich: Weder ist die Möglichkeit vorgesehen, hoffnungsvolle Modellprojekte fortzusetzen, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, noch werden die zahlreichen Studien zur Unbedenklichkeit von kulturellen Veranstaltungen in den aufwändig ertüchtigten Sälen zur Kenntnis genommen. Es hätte zumindest eine Unterscheidung zwischen Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen getroffen werden müssen, damit die Hoffnung auf einen kulturellen Sommer erhalten bleibt. Pläne für Openair-Projekte liegen jetzt auf Eis, Einnahmemöglichkeiten für freischaffende Künstler*innen fallen weg – viele verlieren die Hoffnung. Pandemiegerechte Kulturangebote können funktionieren, mehr noch: wir brauchen die Künste für die gesellschaftliche Bewältigung dieser Krise. Die fortgesetzte politische Marginalisierung des Kulturbereichs ist daher nicht akzeptabel. Die Kritik, die wir jetzt äußern, darf aber nicht den falschen Kräften Wasser auf die Mühlen schaufeln – da müssen wir extrem aufpassen.

NEUSTART: Vielen Dank für das Gespräch und bleiben Sie beide gesund!


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Der wiederholte Lockdown ist für das Jugendtheaterprojekt „Sommernachtstraum“ zur Geduldsprobe geworden – die Wiederaufnahme der Proben und die Aufführung sind ungewiss. Das NEUSTART Sofortprogramm unterstützt das Wiedereröffnungskonzept der Theaterbühne im Kulturverein Platenlaase.

Es ist Donnerstag vier Uhr, als auf der Theaterbühne im Kulturverein Platenlaase die Lichter angehen. Bis zu 25 Jugendliche kommen hier in der Gemeinde Jameln in Niedersachsen zusammen, um für ihr Stück „Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare zu proben. Die Probe beginnt mit Aufwärmübungen im großen Kreis auf der Bühne. Zu Musik wird durch Improvisation die Fläche der Bühne erkundet, Stimm- und Sprechübungen bereiten auf die Szenenarbeit vor. Die Jugendlichen üben sich in schauspielerischem Hinfallen und Ohrfeigen, bevor sie in zwei Kleingruppen unter der Regie von Carolin Serafin und Henning Karge „Die Liebenden“ und „Die Elfen“ proben. Zum Abschluss zeigen sie einander die szenischen Ergebnisse und kommen noch einmal zur gemeinsamen Lieblingsimprovisation zusammen.

Theaterproben mit Sicherheitsabstand

Auf diese bewährte Art konnten die Proben für das Theaterprojekt, das über das Programm „Jugend ins Zentrum!“ des Bundesverbands Soziokultur e.V. gefördert wird, nur für eine kurze Zeit durchgeführt werden, dann machte der erste Lockdown im März 2020 einen Strich durch die Planung. Mit der Förderung durch das NEUSTART Sofortprogramm setzte der Verein ein umfassendes Schutz- und Hygienekonzept um, das die Wiederaufnahme der Proben im späten Frühjahr ermöglichte. Im Theatersaal geben Pfeile auf dem Boden ein Leitsystem vor, Desinfektionsmittelspender stehen zur Verfügung, geprobt wird nur noch in Kleingruppen – mit Sicherheitsabstand und Masken auf der Bühne. „Es ist trotzdem nicht dasselbe, es fehlt das Gefühl des Zusammenhalts, das vor allem durch das Zusammenkommen in der großen Gruppe entsteht“, erzählt Carolin Serafin.

Die Theaterprojekte im Kulturverein Platenlaase sind inzwischen ein Selbstläufer. Jugendliche aus Vorgängerprojekten wie „Legoland“ sind häufig wieder dabei und bringen Freund*innen zum nächsten Projekt mit. Die Theaterbühne ist den meisten schon seit ihrer Grundschulzeit bekannt. Hier zeigt die Freie Bühne Wendland jedes Jahr zur Weihnachtszeit ein Theaterstück, das von den umliegenden Schulen gerne besucht wird und für viele Kinder und Jugendliche oft das einzige Theatererlebnis ist. Bei diesen Aufführungen sind auf der Bühne auch Carolin Serafin und Henning Karge zu sehen, die vielen Schüler*innen darüber hinaus bereits von schulischen Theater-Workshops bekannt sind.

Herausforderung Mobilität im ländlichen Raum

Mobilität ist die größte Herausforderung, die von den Teilnehmenden bewältigt werden muss. „Im Grunde hat hier jedes Kind erschwerten Zugang zu Kunst und Kultur“, erklärt das Projektteam. Wer an den Proben teilnehmen möchte, muss lange Fahrten im Schulbus in Kauf nehmen oder ist auf engagierte Eltern angewiesen, die die Fahrt mit dem Auto übernehmen können. Wenn kein Fahrzeug zur Verfügung steht, viele Geschwisterkinder unter einen Hut zu bringen sind oder Jugendliche in öffentlichen Einrichtungen aufwachsen, kann das zu einem Hinderungsgrund für die Teilnahme werden. In einem Jahr stand den Jugendlichen ein durch den Landkreis finanziertes Jugendmobil samt Fahrer*in zur Verfügung – ein Angebot, das dauerhaft nötig wäre.

Der zweite Corona-Lockdown ist für die Schauspielgruppe zu einer Geduldsprobe geworden. Zurzeit ruhen die Proben, viel fehlt jedoch nicht mehr, um das Stück zum Abschluss und damit auch auf die Bühne zu bringen. Das webbasierte Buchungssystem und ein Sonnensegel ermöglichen die Entzerrung von Besucher*innen im Eingangsbereich. Im Theatersaal können durch die Ausarbeitung eines neuen Sitzplanes größere Abstände eingehalten werden. Die Mitarbeiter*innen sind intensiv in Hygienemaßnahmen geschult worden und blicken dem Theatersommer ebenso erwartungsvoll entgegen wie die Jugendlichen selbst. Der „Sommernachtstraum“ ist ein Stück, das gerade jetzt auf die Bühne muss, wie Henning Karge betont: „Der Sommernachtstraum ist genau das, was wir jetzt brauchen: ein lustig-buntes, schrilles, modernes, freches Stück. Ein Feuerwerk nach Corona!“

Ein Radiobeitrag zum Thema findet sich auf der Webseite des Vereins: https://www.platenlaase.de/radio-zusa-ueber-das-jugendtheater-in-platenlaase

Platenlaase Preview: Die Schauspieler*innen stellen Charaktere des Sommernachtstraums vor

Für alle, die genug vom Homeoffice haben, für alle, denen Netflix auf der Couch nicht reicht und für alle, die endlich wieder ins Theater gehen wollen, haben einige Jungschauspieler*innen vom Kulturverein Platenlaase Figuren und Szenen zusammengestellt, die Lust machen, den ganzen Sommernachtstraum zu sehen. Live und in Farbe und vor Ort. Vorhang auf!

Hermia

Hermia ist etwas zickig und eingebildet, aber auch emotional und empfindlich. Sie liebt Lysander sehr und würde so einiges auf sich nehmen, um mit ihm zusammen sein zu können. Meine Lieblingsszene ist der Morgen von Theseus‘ und Hippolytas Hochzeit, als die vier Liebenden aufwachen. Sie reden gemeinsam über ihre Erlebnisse und Erinnerungen an die Nacht und all der Schmerz, die Sorge, der Zweifel und die Wut scheinen wie ausgelöscht. Die vier sind sich einig und gehen als Gruppe gemeinsam zur Hochzeit von Theseus und Hippolyta. (Karla, 15)

Handwerker Schnauz

Handwerker Schnautz

Ich bin Kevin und bin in einer Wohngruppe in Dannenberg. Ich spiele im Stück den Handwerker Schnauz. Schnauz ist ein sehr verpeilter Handwerker, ich glaube sogar, der dümmste. Ich mag diese Rolle, man hat wenig Text, aber muss sehr viel an seiner Mimik üben. Außerdem macht die Zusammenarbeit mit Carolin und Henning sehr viel Spaß. Die Gruppe ist auch ganz nett und ich komme gut mit allen klar.
Ich hoffe, wir können dieses Stück noch aufführen. (Kevin, 15)

Elf Senfsamen

Elf Senfsamen
Senfsamen ist ein Elf, der seiner Königin zwar jeden Wunsch erfüllt und zu seinen Artgenossen hält, zu anderen Gestalten aber häufig giftig und biestig ist. Er kann jedoch auch niedlich sein, wenn er will. (Was allerdings sehr selten der Fall ist.) Ich fühle mich sehr wohl in der Rolle, da Senfsamen sich wild und natürlich, nicht so zivilisiert verhält, was ich total mag, da ich Zivilisation manchmal echt nervig finde. Meine Lieblingsszene ist, als Oberon und Titania sich mit großem Spektakel um das Waisenkind streiten. (Marina, 14)

Handwerker Peter Squenz

Handwerker Squenz

Squenz ist ein androgyner und sehr liebenswürdiger Charakter und kann kaum jemandem böse werden. Dass er jedoch recht unsicher ist und nicht gerade das höchste Maß an Geduld hat, wird besonders deutlich durch die (möglicherweise ungewollten) Provokationen des Handwerkers Klaus Zettel.
Squenz liebt die Kunst und ist doch nicht wirklich künstlerisch, was ihm jedoch zum Leid anderer entgeht. Seine loyale und äußerst ehrliche Art ist bewundernswert und besonders in der Szene, in welcher Zettel vermisst wird, berührt mich seine zutiefst ehrliche Sorge jedes Mal. (Ron, 19)

Elfenkönig Oberon

Elfenkönig Oberon

Oberon ist im Streit mit seiner Frau Titania und belegt sie deswegen mit einem Zauber. Er ist ein temperamentvoller Herrscher, der sehr von sich überzeugt ist. Er ist cholerisch und lässt sich ungern auf der Nase herumtanzen. Zusammen mit seinem Gefolge und seinem Diener Puck setzt er seine Meinung immer durch. Gerade, weil ich normalerweise ein etwas ruhigerer Mensch bin, ist es sehr toll, eine so andere Rolle auf der Bühne zu verkörpern. Meine Lieblingsszene ist die erste Szene von Oberon und Titania. Sie streiten sich, aber neben dem Streit merkt man auch, dass die beiden Figuren sich sehr vertraut sind. (Hagen, 16)

Eine andere Version dieses Textes ist erschienen in SOZIOkultur Heft 1/2021


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